News 2008
München, 6 März 2008
Hochdruckluft als Hilfsmedium in der Düngemittelherstellung
Niemand würde vermuten, dass die Druckluft in der Düngemittelindustrie auf einem schmalen, aber trotzdem sehr wichtigen Sektor der Harnstofferzeugung, seit vielen Jahren eine bedeutende Funktion übernommen hat. Wir möchten den Lesern nahe bringen, dass BAUER KOMPRESSOREN, der Spezialist auf dem Hochdruck-Sektor mit dem Know-how in der Anwendung der Druckluft, auf diesem Gebiet bestens vertraut ist und weltweit ein kompetenter Partner in der einschlägigen Branche geworden ist. Denn eine über 60-jährige Erfahrung in Entwicklung und Herstellung von Kolbenkompressoren setzt Maßstäbe in Qualität und Leistung. So bieten in diesen Industriestandorten maßgeschneiderte Druckluftanlagen von BAUER die Voraussetzung für optimale Versorgungssicherheit und höchste Wirtschaftlichkeit.
Historie
 |
| Produktionsanlage von UREA |
Aufgrund der schnell wachsenden
Bevölkerung auf unseren Kontinenten
ist es nicht mehr möglich,
den Anbau aller landwirtschaftlichen
Produkte ohne den Einsatz
von Düngemitteln vorzunehmen.
Neben den bekannten klassischen
stickstoffhaltigen Kunstdüngern
wie z. B., nur um eine Gruppe zu
nennen, die Ammoniumsalze, soll
hier ganz besonders unter Einbeziehung
der Druckluft bei
der Herstellung von Harnstoff,
auch unter der Bezeichnung
UREA bekannt, eingegangen
werden. Der Harnstoff
ist ein weißer kristalliner
Körper, der 46 % Stickstoff
enthält, und in der Agrarindustrie
vermehrt eingesetzt
wird. Wegen seiner speziellen
Vorteile hat der Harnstoff
seit vielen Jahren das Ammoniumnitrat
als Düngemittel
schon weit übertroffen.
Als Vorteile sind hier anzusehen,
um nur einige zu nennen:
Harnstoff kann auf dem Ackerboden
als Feststoff, in wässriger
Lösung oder als Spray an
bestimmten Getreidesorten
angewendet werden.
Bei richtiger Anwendung des
Harnstoffes sind höhere Ernteerträge
zu erwarten, als bei
anderen stickstoffhaltigen
Düngemitteln.
Seine chemische Formel lautet:
CO(NH2)2
Die industrielle Herstellung von
UREA wird weltweit in großen
Produktionsanlagen betrieben. Um
die Ausgangsstoffe wie Ammoniak,
Kohlendioxid, Stickstoff, Wasserstoff
etc. herzustellen, gruppieren
sich dort um die eigentliche Düngemittelproduktion
große petrochemische
Einrichtungen und
Luftzerlegungsanlagen. So wird z.
B. bei der Erdölspaltung das
Naphtha bei ca 930 °C und 5
bar erst in Methan, dann in
C02 und H2 gespalten.
Unter Zugabe von N2 (hergestellt
aus der Luftzerlegung)
entsteht NH3. Diese
von namhaften großen Consulting
Unternehmen der
Verfahrenstechnik geplanten
und gebauten Produktionsanlagen
haben derzeit einen
Ausstoß von bis zu 3000 t
UREA/Tag. Anlagen mit noch höheren Tagesleistungen sind
in Planung. Solche Großanlagen
werden teilweise einfach in die
Landschaft gebaut, wobei Energieanschlüsse
wie Erdgas oder Rohöl
und Wasser bereitzustellen sind.
Aus diesen Stoffen muss auch elektrische
Energie gewonnen werden,
die zum Antrieb von Motoren und
sonstigen Hilfsaggregaten dient.
Zum Abtransport der erzeugten
Produkte sind des weiteren große
Hafenanlagen für die Transportschiffe
zu errichten oder auszubauen
oder die entsprechenden
Gleise für den Schienenverkehr zu
verlegen.
Außerdem sind strenge Auflagen
des Naturschutzes einzuhalten,
damit die Umwelt z. B. durch Einleiten
von saueren Abwässern in
die Flüsse oder die Luft durch
flüchtige Anteile wie NH3, NOX,
CO2 und Schwefel etc., nicht überbelastet
werden.
Daher gehören gut ausgestattete
Prüflabors zur Messung der Luft und
Wasserverschmutzung zum
Standard eines Produktionsstandortes.
Herstellung
Als Ausgangsstoffe werden für die
Herstellung von UREA flüssiges
Ammoniak und gasförmiges Kohlendioxid
eingesetzt.
Diese Stoffe
werden einem Reaktor
zugeführt. Die
Behälterwand dieses
über 27 m
hohen Turmes besteht
im Wesentlichen
aus 2 Metallschichten,
nämlich
die Außenwand aus
Kohlenstoffstahl
und die Innenwand
aus Edelstahl mit einer Wandstärke
von ca. 6 mm. Unter Wärme (ca.
230 °C) und Druck (ca. 180 bar)
entsteht synthetisch Ammoniumcarbamat,
welches durch Dehydratisierung
unter Anwesenheit von
Säure und die Zufuhr von Wärme
in UREA und Wasser übergeht.
Durch nachträglichen Wasserentzug
(Eindampfen) und Weiterverarbeitung
steht es dann dem Handel
als weißes Granulat zur Verfügung.
Warum Druckluft?
 |
| i 22.0 von Nagarnjuna Fertilizer |
Die Reaktion der beiden Verbindungen
im Reaktor verläuft im
saueren Bereich.
Das heißt, die Edelstahlschicht
würde nach absehbarer Zeit ohne
Druckluftzufuhr vom Ammoniak
zerstört werden.
Die permanente Anwesenheit der
Druckluft im Reaktor sorgt dafür,
dass der im Edelstahl bis zu 24 %
enthaltene Chrom zu Cr03 oxidiert
wird - eine sehr widerstandsfähige
harte und braun aussehende
Schicht - sodass Oxidation und
Reduktion durch das Ammoniak
weitgehend im Gleichgewicht bleiben.
Da großtechnische Prozesse rund
um die Uhr laufen, muss Hochdruckluft
deshalb permanent mit
einem genau definierten Restölgehalt
dem Reaktor zugeführt werden.
An die Trockenheit der Luft
wird keine besondere Anforderung
gestellt. Es genügt bei den
meisten realisierten Anlagen ein
Drucktaupunkt von ca. 30/40 °C
bei 180 bar, der durch die 4-stufige
Verdichtung der bisher eingesetzten
BAUER-Anlagen erzielt
wird.
Reinheit der Druckluft
und Materialanforderung
Die Verfahrenstechnik legt folgende
Mindestwerte fest:
Restölgehalt nicht mehr als 7 ppm.
Kupferdichtungen und Kupferlegierungen
sind möglichst zu vermeiden.
Die Einhaltung des geforderten
Restölgehaltes kann mit geringem
Aufwand bewerkstelligt werden.
So erfolgt bereits im Kompressor
schon nach jeder einzelnen Stufe
eine automatische Entwässerung
und Entölung der Druckluft.
Die weitere Entwässerung und
Entölung der Luft, wobei auch
dampfförmige Ölanteile in der Luft
in Tröpfchenform umgewandelt
und mit ausgeschieden werden,
geschieht am einfachsten durch
Einbau eines Wasser/Luft Wärmetauschers,
der zunächst die warme
Druckluft und den Öldampf von
40 °C auf ca. 25/28 °C abkühlt. Das
kondensierte Öl wird durch
einen nachgeschalteten Tiefenfilter
(Coaleszensprinzip) mit automatischem
Kondensatableiter problemlos
aus der Druckluft ausgefiltert.
Die in der Druckluft verbleibenden
restlichen Ölanteile (ca. 7 ppm)
gelangen mit ihr in den Reaktor,
wobei dieser Anteil noch keine
nennenswerte Ölablagerung im
System verursacht. Bei anderen
Großprojekten wird gefordert,
dass der Restölgehalt in der
Druckluft weniger als 5 ppm
betragen soll. Hier muss dann die
Druckluft über einen Regenerationstrockner
vorgetrocknet und
anschließend im Aktivkohleadsorber
entölt werden.
Die Anforderung an das Dichtungsmaterial
bereitet den BAUER Anlagen
keine Probleme, da die
vorhandenen Kupferdichtungen
nicht mit der Druckluft in
Berührung kommen.
Kompressorauswahl und
Steuerung
Da Harnstoff-Produktionsanlagen
mit unterschiedlichen Jahreskapazitäten
geplant und gebaut werden,
kommen auch verschiedene Kompressorvarianten
mit unterschiedlichen
Liefermengen zum Einsatz.
Folgende BAUER-Typen, die sich
im Industrieeinsatz bisher bestens
bewährt haben, kommen gegenwärtig
in Frage:
I 150-7,5/11-VERTICUS
mit einer Lieferleistung von 320 - 420 l/min
= äquivalent in
UREA Produktion 875 MTPD
I 22.0-15 mit 650 l/min
= äquivalent 1700 MTPD und
I 28.0-55 mit 2500 l/min
= äquivalent 2500 MTPD
Die beiden letzteren sind horizontal angeordnete Anlagen.
Für die Versorgung eines Reaktors
kommen meistens 2-3 Anlagen in
gleicher Ausstattung zum Einsatz.
Sie laufen im täglichen Betrieb
rund um die Uhr und werden von
der Leitstelle aus Gründen einer
gleichmäßigen Auslastung im
Wechsel automatisch zu- bzw.
abgeschaltet. Der rauhe Industrieeinsatz,
wie höhere Umgebungstemperaturen,
häufig auftretende
Sandstürme etc. verlangen ein
hohes Maß qualitativer Ausführung
des Produktes.
Durch Überwachung z. B. von
Druck und Temperatur jeder einzelnen
Stufe wird sichergestellt,
dass die vorgegebenen Parameter
nicht überschritten werden.
Dies übernimmt die BAUER
B-CONTROL - eine frei programmierbare
elektronische Kompressorsteuerung
- mit Display. Bei
Störung wird die Anlage abgeschaltet,
die Störung am Display angezeigt
und gleichzeitig an die übergeordnete
Leitstelle signalisiert.
Sonderausführungen
 |
| Urea-Containeranlage |
Gelegentlich sind auch bei einzelnen
Projekten elektrische Steuerungen
in ex-Schutz auszuführen,
da die Kompressoren an Standorten
stehen, in deren Bereich sich
bei Normalbetrieb gelegentlich ein
zündfähiges Gas-/Luftgemisch bilden
kann.
Bei Außenaufstellungen der Kompressoren
z. B. ist es erforderlich,
dass diese samt Steuerung und
Aufbereitung in 10- oder 20-Fuß-Container einzubauen sind. Hierbei
ist dann auf eine effiziente Zu- und
Abluftführung und einwandfreie
Sandableitung im Zuluftkanal
des Containers zu achten, wenn z.
B. die Anlagen in sandreichen und
sehr warmen Ländern aufgestellt
werden. Bei der Lösung dieser
Probleme kann der Hochdruckspezialist BAUER KOMPRESSOREN
auf eine sehr lange und
erfolgreiche Praxis und Erfahrung
zurückgreifen.
Fazit
Es hat sich auch hier gezeigt, das das Medium Druckluft auf diesem sehr wichtigen Sektor der UREA Erzeugung einen äußerst wichtigen Part übernommen hat, von dem auch in nächster Zukunft noch die Rede sein wird. Daher ist aus dieser Sicht der ökonomische Nutzen, der durch die Verwendung von Hochdruckluft erzielt wird, sehr hoch anzusetzen, denn die Überholungskosten korrodierter Synthesetürme übersteigen bei weitem die Investitions- und Betriebskosten der installierten Kompressoren.
Autor:
Dipl.-Ing. (FH) Ludwig Kühlwein
Projektingenieur,
Industriebereich
|